PokerRing Las Vegas Guide - Teil 4: Zocken

PokerRing Las Vegas Guide - Teil 4: Zocken

von Matthias Manhertz — 31.08.09

Lange hat’s gedauert, aber in Teil 4 des PokerRing Las Vegas Guide geht es heute endlich um das, was uns alle an Las Vegas wohl am meisten interessiert: Zocken! Da ich von -ev Glücksspiel relativ wenig halte und mich dementsprechen nicht damit auskenne, konzentriere ich mich dabei einzig auf’s Pokern.

Im wesentlichen hat am Las Vegas Strip nahezu jedes Hotel-Casino auch einen Poker-“Raum”. In vielen Fällen handelt es sich dabei tatsächlich um einen separaten Raum, oft aber nur um einen mehr oder weniger notdürftig von den Spielautomaten abgegrenzten Bereich. In Einzelfällen (z.B. im O’Sheas) stehen auch einfach nur ein paar Tische mitten in der Menschenmenge direkt am Boardwalk. Der große Unterschied liegt dabei natürlich darin, dass die “richtigen”, abgeschiedenen Pokerräume deutlich ruhiger sind. Dafür verirren sich dann auch etwas seltener betrunkene Glücksspieler, die gar nicht genau wissen was Poker eigentlich ist, an die Tische.

Nachfolgend möchte ein paar der bedeutsameren Pokerrooms am Strip etwas genauer beleuchten:

Venetian: In meinen Augen der beste Pokerroom in Vegas. Sehr viele Tische, immer Betrieb, vor allem auch in den höheren Levels und in anderen Varianten als nur Texas Hold’em. Leider ist der “Raum” zur einen Seite in Richtung der Slotmaschinen offen, wodurch empfindliche Spieler sich durchaus vom Geräuschpegel gestört fühlen könnten. Ich persönlich begrüße aber die gelungene Mischung aus Abgeschiedenheit und Zugänglichkeit für “Fische”.

Ein großes Problem hatte ich mit dem Food-Service am Pokertisch. Zweimal habe ich selbst vergeblich versucht etwas zu bestellen, aber selbst nach 60 Minuten war in beiden Fällen noch nicht einmal jemand zum Aufnehmen der Bestellung bei mir gewesen. In einem Turnier es einigen meiner Mitspielern gelungen, etwas zu bestellen, was sie dann 90 Minuten später kalt serviert bekamen. Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Vorfälle alle während der WSOP waren. Zu dieser Zeit hatte das Venetian geschätzte 100 Pokertische zusätzlich aufgestellt und der Service war mit dem Ansturm offensichtlich überfordert. Ich gehe davon aus, dass es zu normalen Zeiten besser funktioniert. Wer übrigens im Venetian am Pokertisch Wasser bestellt bekommt gutes “Fiji” serviert, was angeblich eines der besten Wässer der Welt sein soll. Ich mag leider stilles Wasser gar nicht. Daher wusste ich das Perrier als “sparkling” Alternative mehr zu schätzen.

Besonders hervorzuheben sind im Venetian auch die Turniere. Täglich um 12.00 Mittags finden hier ausgezeichnete Turniere mit sehr großzügigen Strukturen statt. Unter der Woche kostet das Buy-In um die $130 am Wochenende etwas mehr. Mehrere Male im Jahr veranstaltet das Venetian außerdem die “Deep-Stack Extravaganza”-Turnierserie mit Buy-Ins zwischen $100 und $1000 sowie einem größeren Finale. Dieses Jahr konnten die während der WSOP stattfindenden Turniere bis zu 1000 Spieler anlocken, die im Verhältnis zu den Buy-Ins mit unglaublichen Strukturen verwöhnt wurden.

MGM Grand: Der etwas eigentümlich angelegte Pokerbereich des MGM Grand schmiegt sich halbmondförmig an eine Seite der “Centrifuge Bar”. Diese spielt eigentlich ununterbrochen (sehr) laute Musik, was zumindest den Lärm der Slotmaschinen übertönt, so dass dieser nicht zusätzlich störend wirken kann. Leider hat man bei längeren Sessions das Gefühl, dass die Centrifuge Bar eine weniger umfangreiche Playlist hat als Kiss FM (sprich: man hört immer wieder die selben Lieder) Die Cashgame-Action ist hier aus meiner Erfahrung wenigstens für Low Limit und 1/2 sowie 2/5 No Limit meist ganz gut. Turniere werden täglich gespielt, die Strukturen lassen allerdings so stark zu wünschen übrig, dass ich sie niemandem ernsthaft empfehlen kann.

Wynn: Wer meinem Rat aus Teil 1 des PokerRing Las Vegas Guide folgt und im Encore wohnt, der dürfte sich freuen, dass auch der Pokerroom, den sich Wynn und Encore teilen, durchaus brauchbar ist. Ruhig auf dem Weg zwischen Parkhaus und Casino gelegen und nicht zu groß, macht der Raum auf mich einen sehr positiven Eindruck. 1/3 No Limit wird mit einem minimum Buy-In von $500 angeboten, wodurch oft deutlich größere Pötte als bei 1/2 NL üblich zustande kommen. Und das, obwohl die Blinds eigentlich nicht wirklich viel höher sind. Alleine durch diesen Effekt, können die Partien im Wynn sehr profitabel sein.

Caesar’s Palace: Ein schöner, großer, abgeschiedener Pokerraum, den ich noch nie auch nur ansatzweise voll gesehen habe. Mich stört hier aber vor allem die für Harrah’s Casino’s übliche Rake von 10% bis $5 (+ $1 Jackpot), was 25% über den sonst üblichen 10% bis $4 liegt (Jackpot-Drops mal außen vor gelassen). In einem so großen und transparenten Markt, hat man es als Kunde nicht nötig sich derart “abzocken” zu lassen. Außer der hohen Rake finde ich im Caesar’s Pokerroom nichts, was ich nicht auch in einem der anderen Räume finden könnte. Daher kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, warum ich immer wieder höre, der Caesars Pokerroom wäre empfehlenswert.

Bellagio: Aus irgendeinem Grund habe ich im Bellagio noch nicht eine Hand Poker gespielt und kann zum Pokerroom daher auch nicht wirklich etwas sagen. Aber die Fountains vor dem Ballagio sind wirklich sehenswert!  ;)

Zum Abschluss noch eine Sache die man als Pokerspieler in Las Vegas nie vergessen sollte: Solange man nicht höher als 2/5 NL spielt, gibt es immer genug Spiele in fast jedem Casino. Es gibt keinen Grund an einem unprofitablen Tisch sitzen zu bleiben. Entgegen manchen Gerüchten ist nämlich nicht jeder Pokertisch in Las Vegas voller Fische, die ihr Geld zum Fenster rauswerfen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist aber ein besserer Tisch nicht allzu weit entfernt. Man sollte nie zögern den Tisch oder sogar das Casino zu wechseln, bevor man viele Stunden an miesen Tischen vergeudet. Auch wenn man müde ist oder aus anderen gründen nicht optimal spielt, gibt es keinen Grund am Tisch zu bleiben. Egal wie lang die Pause ausfällt, anschließend wird man einen Platz an einem guten Tisch finden können.